Wildkräuter

Wildkräuter – Unkraut oder Medizin?

Geschichte und Verbreitung von Wildkräutern und Heilpflanzen

Heilpflanzen dürften schon Anwendung zur Linderung und Heilung von Beschwerden erfahren haben seit es Menschen gibt. Auf Papyrus – dem Papier der alten Ägypter – 1600 vor Christus geschrieben, finden sich die ältesten Beschreibungen über die Heilkräfte von Pflanzen. Schon der bekannte Arzt der Antike Dioskurides verfasste im 1. Jahrhundert nach Christus ein Buch “Über Arzneistoffe“, in dem er unter anderem Kräuter, Wurzeln und Samen beschrieb, die dem “täglichen und arzneilichen“ Gebrauch dienten. In Europa finden sich heute etwa 2000 essbare Kräuter, wovon 400 als Arzneipflanzen genutzt werden. Im Mittelalter wurde die Heilkunde mehrheitlich von Mönchen als sogenannte Klostermedizin verbreitet.

Sammeln von Wildkräutern

Manchmal bezeichnen Menschen Pflanzen als Unkraut und wissen dabei nicht, dass viele wild wachsende Pflanzen nicht nur essbar sind, sondern noch heute als Hausmittel bei leichten Beschwerden, verwendet werden. Essbare Wildkräuter finden wir auf Wiesen, an Wegrändern und auch in unseren heimischen Gärten.  Manches “Unkraut“, das wir in unserem Garten finden, ärgert uns. Wenn wir aber die Bedeutung dieser Kräuter kennen, wissen wir ihren Wert für die positive Wirkung auf unsere Gesundheit zu schätzen. Damit wir diese Pflanzen näher kennenlernen und bestimmen können, werden vielerorts Kräuterwanderungen für Interessierte angeboten.  Auf das Sammeln an Straßen und Wegrändern, sowie auf gedüngten Feldern sollten wir wegen der Schadstoffbelastungen verzichten. Frische, saubere und junge Pflanzen geben uns Garantie für ein volles Aroma. Genau wie beim Sammeln von Pilzen, sollten wir einen geflochtenen Korb verwenden, damit die Kräuter nicht schimmelig werden.

Medizinisch genutzte Inhaltsstoffe

Die in Heilpflanzen vorhandenen Inhaltsstoffe, haben verschiedene Funktionen und entfalten daher ihre unterschiedlichen Wirkmechanismen. Ätherische Öle, die der Pflanze als Abwehrstoffe und zum Schutz gegen Fressfeinde dienen, werden als Beruhigungsmittel und gegen Erkrankungen der Atemwege eingesetzt. Gerbstoffe, die zusammenziehend wirken, entfalten ihre Wirkung bei entzündlichen Erkrankungen und Wunden. Schleimstoffe legen sich über die Schleimhäute des Darmes und regen so seine Bewegungen an. Saponine kommen in Blättern, Blüten, Wurzeln und Knollen vor. Einige von ihnen können Cholesterin senkend wirken. Bitterstoffe, die nicht jedermanns Geschmack sind, entfalten ihre Wirkung auf Magensaft und Speichel. Dabei helfen sie bei Verdauungsstörungen und Appetitlosigkeit. Flavonoide, die in den Blüten der Pflanzen vorkommen, wirken antibakteriell und antiviral.

Wildkräuter auf dem Speiseplan

Wenn Brennnessel, Giersch, Löwenzahn, Spitzwegerich und Gänseblümchen wild in unseren Gärten wachsen, ärgern wir uns manchmal.  Dabei vergessen wir, dass sie unseren Speiseplan bereichern und mit einer unglaublichen Vielfalt an Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen unser Immunsystem stärken. Besonders wirkungsvoll, was die Aufnahme der Inhaltsstoffe anbelangt, sind frische vitalstoffreiche Kräuter. Selbst im Mixer mit etwas Obst, Wasser und einigen Tropfen Öl, je nach Geschmack, zubereitete Smoothies bieten uns einen Energieschub für den ganzen Tag.

Vegane Suppen aus Wildkräutern sind nicht nur grün, sondern auch schmackhaft und leicht bekömmlich. Wegen der kostbaren Inhaltsstoffe, sollten die Kräuter nicht zu heiß verarbeitet werden. Am besten bereitet man erst die Suppe mit einer Kartoffel, Zwiebeln und Gewürzen vor. Mandelmus oder Crème fraîche verleihen dieser dann einen sahnigen Geschmack. Erst zum Schluss gibt man die zerkleinerten Wildkräuter mit einem Esslöffel Olivenöl hinzu und lässt die Suppe kurze Zeit im Topf stehen, bevor man sie isst. Brennnessel, Bärlauch, Sauerampfer, Giersch, Gundermann, Knoblauchsrauke und Spitzwegerich sind einige der Wildkräuter die man dabei verwenden kann. Mehr als fünf Kräuter sollte man, zumindest anfangs, nicht in die Suppe geben, da sich der Geschmack der Pflanzen überdecken kann.

Als Beispiel für Teeaufgüsse aus frischen Kräutern nenne ich hier die Brennnessel, die am häufigsten bei Erkrankungen der Harnwege verwendet wird. Tee aus Salbei hingegen wirkt gegen Blähungen und Entzündungen der Darmschleimhaut. Neben der Anwendung mit dem frischen Kraut, kennen wir auch die Konservierung in getrockneter, öliger, wässriger und gefrorener Form.

Das bietet uns die Möglichkeit das ganze Jahr über von den Kräutern zu profitieren und für dieses Geschenk der Natur dankbar zu sein.

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Kristian Kretschmann

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